Goslarer Stadtrecht

Projektbeschreibung

In mehrfacher Hinsicht stellt das mittelalterliche Stadtrecht der Stadt Goslar eine bedeutende rechtshistorische, historische und sprachliche Quelle dar. Zum einen handelt es sich bei dem Stadtrecht der mittelalterlichen Freien Reichsstadt um ein ungewöhnlich umfangreiches Rechtsdokument, das unter Rezeption und Adaption des im Sachsenspiegel niedergelegten sächsischen Landrechts sehr klar ausgearbeitet ist. Von rechtshistorischer Bedeutung ist dieses Stadtrecht zudem unter dem Gesichtspunkt der Rechtsübertragung an andere Städte (etwa Quedlinburg), wie auch im Hinblick auf die Rechtsauskünfte, die der Goslarer Rat anderen Städten, darunter Blankenburg, Halberstadt, Hannover und Nordhausen, erteilt hat. In historischer Hinsicht gewährt der umfangreiche Text vielfältige Einblicke in die Lebensumstände der Einwohner und Bürger wie auch in die sozialen Gegebenheiten der Stadt Goslar. In sprachlicher Hinsicht stellt das Goslarer Stadtrecht nicht zuletzt auf Grund seines Umfangs zweifellos ein bedeutendes Dokument ostfälischer Schriftsprache in der Mitte des 14. Jahrhunderts dar.

Das Goslarer Stadtrecht liegt seit 1968 in einer textkritischen wissenschaftlichen Ausgabe vor, seinerzeit als Auftragsarbeit an den Göttinger Rechtshistoriker Wilhelm Ebel vergeben, der für diese Arbeit mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet worden ist.1

Der Geschichtsverein Goslar hat sich die Aufgabe gestellt, das Goslarer Stadtrecht durch Wiedergabe, Übersetzung und Kommentar des sog. Ratscodex der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und seinen Inhalt zu erschließen. Unter der Leitung des Vereinsvorsitzenden Hansgeorg Engelke ist eine Arbeitsgruppe gebildet worden, der neben dem Genannten die Vorstandsmitglieder Dr. Norbert Kron und Daphné Divaret-Marscheider angehören, sowie für die wissenschaftliche Bearbeitung Dr. Sabine Graf, Dr. Maria Kapp, Dr. Maik Lehmberg, Dr. Dietlinde Munzel-Everling und Dr. Frank Weissenborn.

Der Text der um 1350 geschriebenen Handschrift wird für die geplante Edition buchstabengetreu transkribiert, womit auch den Erfordernissen sprachwissenschaftlich-philologischer Forschung Rechnung getragen wird. Gegenstand dieses Projektes ist der sog. Ratscodex, bei dem es sich um die im Stadtarchiv Goslar aufbewahrte Pergament-Handschrift handelt (bei Ebel Handschrift J). Diese auch optisch sehr reizvolle Handschrift gehört der jüngeren Gruppe der insgesamt zwölf erhaltenen Handschriften an.

Mit dieser Edition erhält der Leser die Möglichkeit, sich an dem mittelniederdeutschen Text zu erfreuen, zugleich aber den Inhalt leichter zu erfassen, da neben diesem Text eine neuhochdeutsche, bei Bedarf auch kommentierte Übersetzung zu lesen sein wird.

Die Ausgabe der Handschrift wird durch einen Kommentarteil ergänzt, der als wichtigen Bestandteil ein ausführliches rechtshistorisches Glossar der in der Handschrift verwendeten mittelalterlichen Rechtsbegriffe enthalten wird. Darüber hinaus werden die Handschrift und ihr Inhalt durch die Beiträge des Kommentarteils in ihren historischen und sprachlichen Zusammenhang eingeordnet. Die folgenden Beiträge sind vorgesehen:

  • Beschreibung der Handschrift - Dr. Maria Kapp
  • Zur Sprache der Handschrift - Dr. Maik Lehmberg
  • Situation Goslars um 1350 - Dr. Sabine Graf
  • Rechtshistorisches Glossar - Dr. Frank Weissenborn
  • Rechtliche Besonderheiten des Goslarer Stadtrechts - Dr. Dietlinde Munzel-Everling.

Die Edition des „Stadtrechts“ wird vervollständigt durch acht im Mehrfarbdruck faksimilierte Blätter der Handschrift. Diese enthalten die „Vorrede“ des Rates der Stadt Goslar und die Anfangsseiten der fünf Bücher.

(aus einer Projektmappe des Arbeitskreises zur Information möglicher Sponsoren)

Die kolorierten Buchanfänge der Handschrift (für größeres Bild klicken):

Vorrede (Seite 37)

Vorrede (Seite 37)

Buch I (Seite 39)

Buch I (Seite 39)

Buch II (Seite 131)

Buch II (Seite 131)

Buch III (Seite 239)

Buch III (Seite 239)

Buch IV (Seite 325)

Buch IV (Seite 325)

Buch V (Seite 362)

Buch V (Seite 362)

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